Startseite
Gemeinde
Der letzte Tante-Emma-Laden macht dicht
Hillerse (vk). "Wenn wir aufstehen, schließen wir auch den Laden auf", erzählen Günther und Edith Brandes. Das ist meist so gegen halb acht oder acht Uhr. Da hat der erste Kunde oft schon geklingelt, um seine Zeitung zu kaufen. Das Ehepaar führt den letzten von ehemals fünf Tante-Emma-Läden im Ort, der heute seinen 70. Geburtstag feiert.
Für Stammkunden hat Edith Brandes heute Prillecken gebacken - zum letzten Geburtstag des kleinen Gemischtwarenladens in der Kurzen Straße. "Wir wollen Schluss machen", sagen beide. Im Januar werden die Waren aus den Regalen geräumt, die Günther Brandes einst selbst gebaut hat: Für Drei-Hasen- Weizen-Puder, das es im Supermarkt nicht gibt, Zwieback, Salz, Mehl und Dosen, die sauber in Reih und Glied stehen, Nylonstrumpfhosen, Obst, Nähgarn, Vasen, Geschenkpapier, Einmachgummig und Eiergraupen für Niedersachsensuppe.
Das Inventar, kommt in Kisten: Die alte Rechenmaschine, die der Opa mal aus, Dänemark mitgebracht hat und die immer noch treu ihren Dienst versieht. Dazu die Waage, der Stinkekäseschrank, der jetzt als Minibüro fungiert, und die Eismaschine - Utensilien die Fingerabdrücke von vier Generationen tragen.
Mit ihnen werden die Erinnerungen eingemottet. Edith Brandes ist groß geworden mit dem Schild "Gemischtwaren" über der Eingangstür. Das alte Schild steht im Keller bei den Schränken, in denen die Waren aufbewahrt wurden, als es noch alles lose gab. Der Geruch im Laden hat sich vielleicht geändert, seit alles abgepackt über den Tresen geht, doch nicht die Atmosphäre. Hier wird immer noch geplaudert wie eh und je, und das am liebsten auf Platt.
Quelle: Aller-Zeitung vom 01.12.2000