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Krieg und Nachkrieg auf dem Lande

Hillerser Jugendliche erstellten Radioreportage "Rübenol und Einheitsschwein"

Von Elisabeth Rolfes

HILLERSE. "Wir Schulkinder mussten vor der Oker einen Panzergraben ausheben, um die gegnerischen Panzer am Vorwärtskommen zu hindern. Ungefähr anderthalb Meter breit, das war natürlich ein Witz." In der Radioreportage "Rübenol und Einheitsschwein", die von Hillerser Jugendlichen erarbeitet wurde, berichteten Zeitzeugen vom Alltag im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Regen Zuspruch fand die Uraufführung am Dienstagabend im Hillerser Hof, gesendet wird die Reportage an, Ostersonntag auf Radio Okerwelle.

Goebbels berüchtigte Frage
Gut 250 Besucher ließen sich jetzt auf diese Reise in die Vergangenheit mitnehmen. Durch Unterlegung mit Musik der Zeit und Originalausschnitten wie der berüchtigten Goebbels-Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?" - die Antwort ist bekannt - wurde ein lebendiges und authentisches Bild vorn Kriegs- und Nachkriegs-Hillerse vermittelt. Knapp eine Stunde lang ist die Reportage, die über das notorische Schwarzschlachten des "Einheitsschweins" ebenso berichtet wie über die ausgelassenen Feiern mit "Rübenol-Schnaps" in der Nachkriegszeit. Dies sind Beispiele für eine ganze Reihe alltagsgeschichtlich bemerkenswerter Facetten des Landlebens, die durch dieses Projekt beleuchtet wurden.

Entstanden ist die Idee, eine Radioreportage zu erstellen, Ende 1990 bei einem Gespräch der Journalistin Juliane Delkeskamp mit Detlef Tanke, dem Bürgermeister Hillerses. Für beide war und ist die Zeitzeugenarbeit von großer Bedeutung, betonten sie. Nachdem die Finanzierung geklärt war und Jugendliche sowie Zeitzeugen sich zur Teilnahme bereit erklärt hatten, ging es im November 2000 los. "Wir haben über 60 Stunden an der Reportage gearbeitet, das war schon ziemlich viel", erzählt Gymnasiastin Annika Döweling, die als Sprecherin fungierte. Eingeteilt wurden die Jugendlichen in ein Redaktions- und ein Technikteam unter der Leitung von Juliane Delkeskamp und Volker Adam.

Nach der Uraufführung herrschte Zufriedenheit: "Das war ein voller Erfolg", meinte Juliane Delkeskamp. Annika Döweling bestätigend: "Es hat Spaß gemacht, die alten Leute waren supernett." Tanke sprach von einen Stück "Identitätsbildung".

Kein Licht und keine Bremse
Anklang beim Publikum fanden die Anekdoten am Rande. Ein Zeitzeuge berichtete von einer Feier in der Nachkriegszeit, zu der auch Besucher aus Leiferde kamen: "Einer mit dem Fahrrad, und der ist dann von einem Polizisten angehalten worden. 'Sie haben kein Licht', rief der Polizist und sprang auf die Straße. Das war sein Fehler, denn der Mann hatte auch keine Bremse und fuhr dem Polizisten direkt und schmerzhaft zwischen die Beine, so dass er umfiel."

Auch Plünderungen in der Nachkriegszeit kamen zur Sprache: "In vielen Haushalten gibt es jetzt noch Wolle, die daher stammt", bemerkte ein Zeitzeuge. Zudem habe man nach dem Krieg gar keine "richtige Jugend" gehabt, und entsprechend groß sei der Nachholbedarf gewesen - womit das Gespräch sich wieder dem Rübenol, dem aus Zuckerrüben gebrannten Schnaps, zuwandte.

Insgesamt, dies die jetzt untermauerte Erkenntnis, war das Leben auf dem Land im Krieg wegen der Versorgung durch die Bauern nicht ganz so schlimm wie in den Großstädten.

Quelle: Braunschweiger-Zeitung vom 22.03.2001

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